Die Diskussion um medizinisch nicht notwendige, finanziell aber lukrative Operationen und diagnostische Leistungen reißt nicht ab. Ärzte und Patientenvertreter machen die Ökonomisierung des Gesundheitswesens dafür verantwortlich. Kassenvertreter fordern einen Paradigmenwechsel und den Umstieg auf eine qualitätsabhängige Vergütung. Politiker wollen auf Wettbewerb und Einspardruck im Krankenhausbereich nicht verzichten, um die Versorgung dadurch effizienter zu machen. Alle haben in gewisser Weise Recht. Doch an der Erkenntnis führt kein Weg vorbei: Wer zu wenig Mittel ins System gibt – was überhaupt nichts damit zu tun hat, dass es sich um jedes Jahr steigende Milliardenbeträge handelt -, muss sich nicht wundern. Wer glaubt, dass der dadurch ausgelöste Kampf ums wirtschaftliche Überleben dazu führen wird, dass die wirklich bedarfsnotwendigen und zudem qualitativ besten Krankenhäuser „am Markt bleiben“, die ihre Leistungserbringung zudem auch noch ethisch vorbildlich nur am Patientenwohl ausrichten, gibt sich Illusionen hin und handelt verantwortungslos.
In Talkrunden sind sich alle einig, dass die Gesundheits- und speziell die Krankenhausversorgung als solidarische, dem Allgemeinwohl verpflichtete Daseinsvorsorge und nicht als normale, von Gewinnerwartungen getriebene, „marktförmige“ Gesundheitswirtschaftsbranche zu organisieren ist. In der nächsten Legislaturperiode sind deshalb tiefgreifende Veränderungen vor allem am System der Krankenhausfinanzierung, aber auch im Bereich der Krankenhausplanung nötig. Offenkundige Fehlentwicklungen müssen korrigiert werden. Patienten müssen wieder darauf vertrauen können, dass an erster Stelle ihr Wohl steht und nicht der Druck, schwarze Zahlen schreiben oder das Gewinnstreben von Gesundheitsunternehme(r)n befriedigen zu müssen,. Ärzte und Pflegende müssen unter Rahmenbedingungen arbeiten können, die es ihnen erlauben, sich ohne Abstriche zum Wohle ihrer Patientinnen und Patienten einzusetzen, und die sie vor Überlastung und weiterer Arbeitsverdichtung schützen. Nicht zuletzt verdienen sie eine der Bedeutung dieses einzigartigen Dienstes an kranken Menschen gerecht werdende Honorierung ihrer Tätigkeit. Dazu braucht es ausreichende und besser als bisher verteilte Mittel und selbstverständlich hervorragende Ökonomie.